Fleischwolf, 2025
Fleischwolf entstand als Reaktion auf einen Artikel des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, in dem berichtet wurde, dass Funktionäre der russischen Partei »Einiges Russland« zum Weltfrauentag Fleischwolfgeräte an Mütter gefallener Soldaten überreichten.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem zynischen und paradoxen Zustand, den bereits die Realität selbst erzeugt: Mütter ziehen ihre Kinder über viele Jahre groß, nur damit diese im Krieg sterben — und der Staat begegnet dieser Trauer schließlich mit einem symbolisch kaum erträglichen Geschenk. Der Fleischwolf wird dabei zu einem Sinnbild für Entmenschlichung, politische Kälte und die absurde Logik von Kriegspropaganda.
Aus dieser Irritation heraus entstand der Wunsch, den emotionalen Zustand festzuhalten und sichtbar zu machen, bevor er im permanenten Strom medialer Bilder wieder verschwindet. Die Arbeit versteht sich deshalb auch als Versuch, einen Moment kollektiver Sprachlosigkeit zu konservieren.
Das Werk kombiniert KI-generiertes Video mit KI-generierter Musik, um einen emotionalen Zustand zu visualisieren, der sich rational kaum auflösen lässt. Gerade darin liegt das Paradox der Arbeit: Technologien, die oft mit Distanz, Automatisierung und Unmenschlichkeit verbunden werden, werden hier eingesetzt, um etwas zutiefst Menschliches sichtbar zu machen — Trauer, Ohnmacht, Beklemmung und moralische Verstörung.
Fleischwolf untersucht damit nicht nur die Bildsprache politischer Realität, sondern auch die Frage, ob künstliche Systeme helfen können, emotionale Wahrheiten erfahrbar zu machen, die sich mit dokumentarischen Mitteln allein kaum ausdrücken lassen.